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zu sehen sind Exponate einer Ausstellung
Ausstellung BOOMTOWN (Foto: Stadt Annaberg-Buchholz/Annett Flämig)

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Sonderausstellung „BOOMTOWN“ in Annaberg-Buchholz feierlich eröffnet

16 Nachfahren jüdischer Unternehmerfamilien aus drei Ländern zu Gast in Annaberg-Buchholz – Ausstellung macht jüdisches Unternehmertum, weltweite Handelsbeziehungen und persönliche Schicksale sichtbar

Wie kam es, dass Annaberg bereits 1879 ein amerikanisches Konsulat erhielt? Was verband die Bergstädte Annaberg und Buchholz mit den großen Mode- und Handelszentren Europas und der USA? Die neue Sonderausstellung „BOOMTOWN. Jüdische Unternehmen in der Posamentenindustrie in Annaberg und Buchholz“ gibt überraschende Antworten und öffnet zugleich Türen zu bislang wenig bekannten Lebensgeschichten. Vom 31. Oktober 2026 bis zum 17. Oktober 2027 rückt das Erzgebirgsmuseum ein ebenso glanzvolles wie schmerzhaftes Kapitel der Stadtgeschichte in den Mittelpunkt.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Herstellung von Posamenten– kunstvollen Borten, Quasten, Schnüren und textilen Schmuckelementen – zu einer Schlüsselindustrie des Oberen Erzgebirges. Allein in Annaberg bestanden 1887 rund 200 Posamentenfirmen. Entscheidenden Anteil am internationalen Erfolg hatten jüdische Fabrikanten und Kaufleute, die erzgebirgisches Handwerkskönnen mit kaufmännischer Weitsicht und weitreichenden Geschäftsverbindungen verbanden. Ihre Waren fanden Abnehmer in Berlin, Paris, London und den USA.

Namen wie Moritz Türk, die Gebrüder Tietz, Isaac Chanange, Siegbert Levy oder Arnold Frank stehen für diesen Aufschwung. Ihre Geschäfte prägten das Stadtbild und ihre Familien das gesellschaftliche Leben. Mit der Gründung der Israelitischen Religionsgemeinde 1890 wurde jüdisches Leben auch institutionell sichtbar. Der Posamentenfabrikant und Stadtrat Isaac Chanange war deren erster Vorsteher und galt als sogenannter „Nestor der Annaberger Juden“.

Die nationalsozialistische Verfolgung setzte dieser Entwicklung ein grausames Ende: Unternehmen wurden enteignet oder aufgelöst, Menschen entrechtet, zur Flucht gezwungen oder deportiert und ermordet. Auch diese Schicksale erhalten in der Ausstellung ihren Raum.

Wenn Geschichte plötzlich Gesichter bekommt – 16 Nachfahren zu Gast in Annaberg-Buchholz

Zu einem ebenso bewegenden wie außergewöhnlichen Ereignis wurde die feierliche Ausstellungseröffnung am Freitag, dem 30. Oktober 2026. Insgesamt 16 Nachfahrinnen und Nachfahren einstiger jüdischer Unternehmerfamilien im Alter zwischen fünf und 80 Jahren hatten sich eigens aus den USA, Großbritannien und Ecuador auf den teilweise weiten Weg nach Annaberg-Buchholz gemacht, um die Heimat ihrer Vorfahren kennenzulernen und deren Spuren nachzugehen.

Bereits am Vormittag wurden die Gäste von Oberbürgermeister Rolf Schmidt im historischen Berghauptmannszimmer des Annaberger Rathauses herzlich empfangen. Dabei wurde schnell deutlich, welch besondere Bedeutung diese Begegnung für beide Seiten hatte. Denn was bislang oftmals nur durch Namen, historische Dokumente, Fotografien und überlieferte Erzählungen greifbar war, erhielt durch die persönliche Anwesenheit der Nachfahren eine ganz neue, menschliche Dimension.

„Ihre Familien haben die Geschichte unserer Stadt mitgeschrieben. Heute dürfen wir gemeinsam dafür sorgen, dass ihre Geschichten wieder gehört und weitererzählt werden“, betonte Oberbürgermeister Rolf Schmidt in seinem Grußwort und brachte damit den besonderen Gedanken dieser Begegnung auf den Punkt.

Wie eng Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbunden sein können, zeigte sich insbesondere während der anschließenden feierlichen Ausstellungseröffnung. Gemeinsam mit zahlreichen Gästen, darunter Staatsministerin Barbara Klepsch, begaben sich die Nachfahren auf eine eindrucksvolle Reise in die Geschichte ihrer Familien und zugleich in ein bedeutendes Kapitel der Stadtentwicklung.

Für viele von ihnen war es ein zutiefst berührender Moment, bislang verborgene oder unbekannte Einzelheiten aus dem Leben ihrer Vorfahren zu erfahren, familiäre Zusammenhänge neu zu entdecken und die einstige Bedeutung ihrer Familien für Annaberg und Buchholz in einem größeren historischen Kontext zu verstehen. Die Ausstellung eröffnete dabei nicht nur neue Perspektiven auf das wirtschaftliche und gesellschaftliche Wirken ihrer Vorfahren, sondern machte auch persönliche Lebenswege, Schicksale und Erinnerungen auf besondere Weise nachvollziehbar.

Die Begeisterung und Dankbarkeit der angereisten Familien waren spürbar. Sowohl die herzliche Gastfreundschaft in Annaberg-Buchholz als auch die feierliche Eröffnung und die mit großer Sorgfalt gestaltete Ausstellung hinterließen bei ihnen bleibende Eindrücke. Aus historischen Recherchen wurden persönliche Entdeckungen, aus überlieferten Namen lebendige Familiengeschichten und aus einer Ausstellung ein Ort der Begegnung über Generationen und Ländergrenzen hinweg.

Auch Staatsministerin Barbara Klepsch unterstrich in ihrem Grußwort die besondere Bedeutung dieses Miteinanders: „Denn aus historischen Namen werden persönliche Familiengeschichten. Und Menschen aus aller Welt kommen zusammen, um die Heimat ihrer Vorfahren kennenzulernen.“

Zugleich würdigte sie die Ausstellung als wichtigen Beitrag zum sächsischen Themenjahr „TACHELES – Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026“, das insbesondere auch im ländlichen Raum bislang wenig bekannte Spuren jüdischen Lebens sichtbar machen und das Bewusstsein für dieses bedeutende kulturelle Erbe stärken möchte.

Ein Ausstellungsprojekt, das Menschen und Generationen verbindet

„BOOMTOWN“ ist ein Projekt der Städtischen Museen Annaberg-Buchholz im Rahmen von „TACHELES – Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026“. Aufbauend auf umfangreichen historischen Recherchen und bisherigen Vermittlungsformaten wird die Geschichte jüdischer Unternehmerfamilien nun erstmals in dieser Form in einer großen Sonderausstellung zusammengeführt.

Ein besonderer Dank gilt allen Beteiligten, die mit wissenschaftlicher Sorgfalt, großem persönlichen Engagement und viel Herzblut zur Umsetzung beigetragen haben. Insbesondere die Ausstellungskuratorin Margit Kreißl sowie Bastian Guthke, Museumspädagoge und Projektleiter sowie Dr. Bettina Levin, haben gemeinsam mit dem Team der Städtischen Museen und zahlreichen weiteren Unterstützern dazu beigetragen, historische Zusammenhänge aufzuarbeiten, internationale Kontakte zu knüpfen und persönliche Familiengeschichten wieder ans Licht zu bringen.

Begleitend zur Ausstellung sind weitere Stadtführungen, Posamentenworkshops und Schülerprojekte in Zusammenarbeit mit Annaberg-Buchholzer Schulen vorgesehen.

Die Ausstellung ist damit weit mehr als eine Rückschau auf vergangene Zeiten. Sie ist eine Einladung, genauer hinzusehen, Erinnerungen zu bewahren und miteinander ins Gespräch zu kommen. Vor allem aber gibt sie Menschen ihre Geschichten zurück – und trägt dazu bei, dass diese auch für kommende Generationen lebendig bleiben.

Das Ausstellungsprojekt wird von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen gefördert und durch Steuermittel auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes mitfinanziert.

Pressekontakt:

Große Kreisstadt Annaberg-Buchholz

Annett Flämig

Markt 1, 09456 Annaberg-Buchholz

Tel.: +49 (0)3733 425 118

annett.flaemig@annaberg-buchholz.de

www.annaberg-buchholz.de

(Quelle: Große Kreisstadt Annaberg-Buchholz)

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